Samstag, 30. Juli 2016

Low Budget - Umgestaltung eines Kinderzimmers für RTL Punkt 12



Hallo Ihr Lieben!

Heute kommt mein ausführlicher Bericht 
zu meinem TV-Projekt bei dem ich ein Kinderzimmer
mit einem extrem niedrigen Budget,
aber mit Hilfe von anderen Menschen umgestaltet habe.


Im April bekam ich einen Telefonanruf einer Produktionsfirma,
als ich mit meiner Tochter auf dem Weg zum Friseur war.
Zuerst habe ich gedacht, ich hätte mich verhört,
aber schnell wurde klar, dass der Anruf ernst gemeint war. 

Das war eine echte Überraschung, als ich gefragt wurde, 
ob ich Lust hätte, ein Kinderzimmer umzugestalten
Das Ganze würde eine low-budget-Produktion werden
in der es darum ginge, die Nachbarn um Hilfe zu bitten.
Die Idee dahinter war die, herauszufinden
wie hilfsbereit die Menschen in einer großen Stadt sind,
wenn sie sich gar nicht kennen.  

Am Tag nach unserem Telefonat 
waren Robert und Nico 
von der Produktionsfirma Hans und Franz bei mir,
haben sich Lilly`s Zimmer angeschaut 
und haben ein Casting-Video gedreht.

Das Projekt hat mich sehr interessiert 
und vor allem als mir Robert versicherte,
dass die Redaktion Punkt 12 ausdrücklich  
nur Berichte haben möchte,
die nicht gefaked sind.
Das hat mich - ehrlich gesagt - sehr gewundert.
Wo man doch von RTL immer wieder andere Dinge hört.
Es liegt aber an den jeweiligen Redaktionen 
und Punkt 12 nimmt Beiträge nicht ab, wenn sie sehen, 
dass darin Dinge vorab abgesprochen wurden
und nicht real sind. 
Und - soviel sei vorab gesagt -
bei unserem Dreh wurde wirklich nichts gefaked.
Ich hätte beispielsweise gern zum Dekorieren 
von mir zuhause etwas mitgenommen oder organisiert,
das wurde mir von Robert aber absolut untersagt. 

Durch einen Aufruf auf der FB-Seite von Hans und Franz
haben Robert und Nico Janine gefunden.
Sie ist Anfang 20 und ihr 3-jähriger Sohn Leon ist schwer herzkrank.
Die beiden brauchen dringend Hilfe,
soviel wurde mir vorab von Robert mitgeteilt.
Kennengelernt habe ich sie aber erst am ersten Drehtag.    

Mir an die Seite gestellt wurde ein Handwerker (Hartwig)
den Robert bereits gefunden hatte,
den ich aber auch vor Drehbeginn nicht kannte. 
Das Tolle war, dass Hartwig und ich uns direkt auf Anhieb
 sehr gut verstanden haben 
und uns gegenseitig unterstützt haben. 
Das hat die Arbeit sehr erleichtert.
Ich hatte die ganze Zeit Angst, 
dass es vielleicht nicht miteinander harmonieren würde. 

Dieses Projekt war ein riesiges Faß ohne Boden,
denn ich kannte die Wohnung 
bzw. das `Kinderzimmer` nicht wirklich,
ich kannte den Handwerker nicht,
ich hatte keine Ahnung, ob es Menschen geben würde, 
die uns wirklich helfen, wir hatten nur 3 Drehtage 
und in der Zeit musste alles fertig sein....
 Aber ich liebe Herausforderungen
und DAS war definitiv eine.   

Mein Part bei dem Projekt war zunächst die Suche 
nach Möbeln und helfenden Händen zusammen mit Hartwig.
Ich habe dann die Raum-Planung gemacht, 
welche Möbel Leon unbedingt benötigt, 
wie die Raumgestaltung grob aussehen kann 
und welche Materialien ich zusätzlich brauche,
falls wir diese nicht bei Nachbarn bekommen würden.

Die 3 Drehtage waren nicht direkt hintereinander,
was logistisch überhaupt nicht machbar gewesen wäre.
Der erste Drehtag im Mai war am aufregendsten,
denn wie ich oben beschrieben hatte,
kannte ich nur Robert und Nico 
und hatte vorab nur 2 Handyfotos vom Zimmer gesehen.
Ansonsten war alles neu.
Zudem war klar, dass Janine mit Leon 
an dem Tag ins Krankenhaus musste,
denn Leon bekam eine weitere Herz-Operation 
während unserer Umbau-Aktion.
Sie war entsprechend nervös, verständlicherweise. 

Am ersten Drehtag wurde in den ersten 3 Stunden gedreht, 
wie Hartwig und ich Janine und Leon kennenlernen,
wie wir das Kinderzimmer zum ersten Mal sehen
und mit Janine besprechen, 
was verändert werden darf bzw. was bleiben muss. 

Und für mich ist vor allem immer sehr wichtig
Was mag das Kind, 
hat es Vorlieben für etwas Bestimmtes
oder mag es gewisse Farben besonders gern. 
Dann fuhr Janine mit Leon ins Krankenhaus 
und überließ uns ihren Wohnungsschlüssel.

Das war das Kinderzimmer, wie wir es angetroffen haben.
Leon sollte in dem Kinderbett schlafen, was er aber nicht tat.


Als ich das Zimmer sah, war mir auch klar, warum.
Zudem war dann auch offensichtlich
warum Leon nicht allein in `seinem` Zimmer spielen wollte.
  
Es war in keinster Weise kindgerecht, 
überhaupt nicht kuschelig,
unstrukturiert und unaufgeräumt
und die Fenster konnten zum Schlafen nicht abgedunkelt werden.
Janine zeigte uns dann einen Fernseher und etliche andere Dinge,
die kaputt waren und auf den Müll sollten. 
Der PVC-Boden sollte eigentlich längst mit Laminat, 
welches Janine einmal geschenkt bekommen hatte, ausgelegt werden.
Aber da das nicht ausreichend für den Raum war, 
lag ein Teil vor dem Kleiderschrank
der Rest stand in der Diele.

 

Somit war Hartwig und mir klar, 
wir müssen einen Anhänger organisieren,
um diese Dinge abzutransportieren.
Wir hatten echt Glück, denn einer der Nachbarn 
konnte uns seinen Anhänger zum Abtransport leihen.

Hartwig und ich sind dann den Rest des ersten Drehtages 
`um die Häuser` gezogen 
und haben die Nachbarn um Hilfe gefragt.
Wir waren vollends erstaunt,
wie hilfsbereit 90 % der angefragten Nachbarn waren.
Entweder haben sie uns sofort bereitwillig Möbel gezeigt,
die sie nicht mehr benötigten
oder sie haben uns ihre tatkräftige Hilfe zugesagt. 

Mit so viel Hilfsbereitschaft hatten wir beide nicht gerechnet,
wir haben es natürlich gehofft.
Aber sicher konnten wir uns nicht sein. 

Was wir alles gefunden haben, 
seht Ihr im unteren Bild.
Wie wir an die Sachen gekommen sind, 
seht Ihr auch im Video, hier Teil 1 .  
(Bitte das Video herunterladen, da es beim Anschauen sonst sehr `ruckelt`)     
 
  

Das war unsere `Möbel-Ausbeute` 
nach einem Tag bei den Nachbarn:

- Ein Low Board mit 2 dazu gehörigen Hängeschränken 
und einem kleinen Regalbrett
- Ein verpacktes Hochbett mit 3 Lampen und Stoffumrandung
- Eine Kommode

Mit diesen Möbeln konnte ich nun die Feinplanung machen.

Leider ließen sich etliche Ideen aus verschiedenen Gründen nicht verwirklichen.

Zudem bekamen wir Hilfe von mindestens 4 Nachbarn zugesagt 
und einen Teppich in Aussicht gestellt.

Letzteres war natürlich ein riesiges Glück,
denn ein Teppich hätte unser kleines Zusatz-Budget 
von 300,- € (nur für unbedingt notwendige Zusatzkäufe) vollends gesprengt. 
Ich entschied mit Hartwig, 
dass die dunkelbraunen Türen des Lowboards 
und der beiden Hängeschränke 
durch weiße Türen ausgetauscht werden sollten.
Dies hat Hartwig in seiner Werkstatt gemacht.

Zudem wollten wir das Hochbett, 
 - von dem wir nicht wussten, 
wie hoch es ist und in welchem Zustand es ist -
sowie die Kommode weiß streichen.
 
  


Da der Kleiderschrank aus den knappen Zeitgünden
und kosteneffizient nicht kindgerecht umzugestalten war, 
gab es nur eine Lösung:
Er musste hinter Stoff oder einer Schiebegardine verschwinden.
Er nahm in dem Zimmer einfach viel zu viel Raum ein 
und hatte durch die Gold-Details leider auch nichts Kindliches. 
Nachdem ich den Inhalt des Kleiderschrankes gesehen hatte,
habe ich entschieden, 
dass man die wenigen Kleidungsstücke 
auch auf 2/3 des Schrankes verteilen könnte.
Somit konnte der Kleiderschrank gekürzt 
und anschließend in die Nische geschoben werden, 
in der vorab die dunkelbraune Kommode 
und das Kinderbett standen.



Was für ein Glück, dass uns der Nachbar Tobi 
kurzfristig seine Hilfe angeboten hat.
Er hat handwerkliches Geschick 
und hat vor allem schnell gearbeitet.
So kamen die Umbauarbeiten zügig voran.

Dreharbeiten am 2. Tag in der Teppich-Klettlerei

Als fest stand, welche Farbe der Teppich genau haben würde,  
den wir am 2. Drehtag geschenkt bekamen,  
haben Hartwig und ich uns entschieden, 
dass die türkisfarbenen Wände weichen müssen.
Also musste kurzfristig weiße Farbe gekauft werden 
und während ich mit Tobi, seiner Frau 
und einer Nachbarin (die nicht ins Fernsehen wollte)  
die Möbel gestrichen haben,
hat Hartwig die Wände weiß gestrichen.

Wir hätten gern weitere farbige Akzente gesetzt,
das ließ die Zeit aber leider nicht mehr zu.     


Beim Auspacken des Hochbettes am 2. Drehtag sahen wir, 
dass es doch niedriger war, als ich angenommen hatte. 
Somit ließ sich mein Plan, die Stelzen umzudrehen 
und eine Art Hochbett daraus zu machen, nicht umsetzen.

Also haben wir beschlossen, die Bettpfosten so zu kürzen,
dass Leon einfach in das Bett hineinkommt,
es aber hoch genug ist, 
um Plastikboxen bequem darunter zu stellen, 
dass Leon Ordnung halten kann.
   
Da ich kein Himmelbett aus dem Hochbett machen konnte
und die geplante Girlande nun auch nicht umzusetzen war,
musste schnell eine andere (vor allem günstige) Lösung her,
um die leere Wand hinter dem Bett
mit etwas Kindgerechtem verschönern zu können

Am Morgen des dritten und letzten Drehtages 
habe ich daher noch schnell passende Stoffe 
zum Bodenbelag und dem Spieleteppich besorgt.

Das ging erst an dem Tag,
da wir vorher nicht wussten, 
welche Farbe der Teppich genau hat.

Im Stoffgeschäft hier in Mönchengladbach
habe ich dann glücklicherweise einen tollen Stoff gefunden,
der die Autos des Films `cars` aufgedruckt hatte.
Er war so gestaltet, dass ich ihn um eine 
von mir mitgebrachte Leinwand tackern konnte
und wir somit ganz fix ein Bild hinter dem Bett hatten.

Am letzten Drehtag war wahnsinnig viel zu tun 
und jeder der Helfer hat geholfen, wo er konnte.



Aus den Stoffresten des Bildes und aus meiner Stoffkiste
habe ich 2 Kissen für Leon`s neues Bett genäht. 

Ein Bild aus dem improvisierten Nähatelier.

 


In der geweißelten Kommode,
die wir geschenkt bekommen hatten,
finden nun Leon`s Sachen zum Anziehen Platz.


 Über der Heizung hängt eines der beiden Hängeregale,
deren Front vorab dunkelbraun war.

Unter dem Bett, welches wir gekürzt haben,
passten die beiden Plastikboxen, die ich gestiftet habe.
Darin konnte ich problemlos 
alle Spielsachen von Leon verstauen,
die vorher keinen Platz im Zimmer hatten 
und überall verteilt waren.
 

Die runden Lampen auf dem Lowboard sind die, 
die wir zu dem Hochbett dazu geschenkt bekommen haben.

Einer der Nachbarn, die beim Zusammenbau des Hochbettes geholfen hatten, 
schenkte uns dann noch eine schlichte weiße Hängelampe,
die den gesamten Raum erhellt.

Da mir Janine erzählt hatte, dass Leon Autos 
und vor allem den Film `cars` mag,
musste das Zimmer unbedingt für ihn so gestaltet werden, 
dass er mit seinen Autos darin spielen kann.

Obwohl ich eigentlich überhaupt kein Fan 
von diesen bunten Spielzeugteppichen bin,
habe ich mich in diesem Fall doch dafür entschieden.

Ich habe zwischen dem 1. und 2. Drehtag (dazwischen lagen 2 Tage)
sehr viel Zeit damit verbracht,
Dinge für Leon bei Kleinanzeigen günstig zu finden.
Der Teppich war eines davon. 
Er hat nur 10,- € gekostet und war wie neu.

Mir war zudem wichtig, dass Leon einen Spieltisch 
mit mindestens 2 Stühlen bekommt.
Denn daran sitzen die Kinder einfach gern 
zum Spielen, Puzzeln oder Malen.
Die Suche gestaltete sich allerdings etwas schwierig,
da die meisten in einem schlechten Zustand waren, 
bereits in einer für uns nicht zu gebrauchenen Farbe angemalt,
aus beschichtetem Material waren, welches bereits abblätterte
oder ansonsten zu teuer waren.
Irgendwann habe ich dann aber doch dieses Tischchen 
mit den beiden Stühlen gefunden, 
und zwar unbehandelt, 
in einem richtig guten Zustand 
und für nur 35,- €.

Die Matratze für Leon`s neues Bett 
hat Robert bei Kleinanzeigen gefunden.
Sie war nagelneu und noch original eingepackt.
Und für wieviel?
Er hat sie unter der Rubrik: Zu verschenken gefunden!!



Die weißen Schiebegardinen lassen den Raum
noch einmal gößer wirken, 
da die Wand optisch verlängert wird.

Aus den unschönen Sofakissen vom Wohnzimmer
habe ich kurzerhand mit der lieben Nachbarin 
Olga (die uns am 3. Drehtag dann auch noch spontan mit köstlichem Essen versorgt hat) 
Kissen für das Kuschelsofa genäht. 
Das Kuschelsofa entstand 
aus dem dunkelbraunen Gitterbett, 
welches der Nachbar Tobi mit ein paar Handgriffen 
zum Sofa umgearbeitet hat.

Über dem kleinen Sofa hängt eines der beiden Hängeschränke.
Als wir sie bekamen, hatten sie dunkelbraune Türen,
die Hartwig durch weiße ersetzt hat.
Beim Aufhängen stellten wir dann aber fest, 
dass der Hängeschrank quer über dem Bett hängen sollte.
So konnte man die Tür aber nicht mehr kindgerecht öffnen.
Also haben wir die weiße Tür wieder entfernt,
somit sah man aber die unschöne Rückseite.
Also haben wir diese auch entfernt 
und es entstand das praktische Regal.  

Die Stehlampe stand vorab bei Janine im Wohnzimmer,
ich habe sie aber neben das Sofa gestellt,
damit beide ein schönes warmes Licht haben,
wenn sie Bücher anschauen.

Die Verwandlung des Zimmers in bewegten Bildern 
könnt Ihr hier in Teil 2 sehen.
(Bitte das Video herunterladen, da es beim Anschauen sonst sehr `ruckelt`)    


Ich hätte das gesamte Zimmer gern noch perfekter gestaltet,
aber leider war es aus Zeit- und Budgetgründen nicht möglich.

Aber mein Perfektionistenherz 
wurde durch das Lächeln und Staunen 
von Leon wieder total versöhnt.

Und als mir Robert am Tag nach dem letzten Dreh
 ein Handybild von Janine schickte,
welches Leon glücklich in seinem Bett schlafend zeigte,
liefen mir die Tränen vor Glück.


 Es gibt keinen besseren Dank.

Ich habe es mit Hartwigs 
und der Hilfe der Nachbarn geschafft, 
dass Leon sich endlich in seinem Zimmer wohl fühlt
und zum ersten Mal im neuen Bett geschlafen hat.
Er hat die Herz-OP gut überstanden 
und wurde nun belohnt mit einem, mit seinem Zimmer. 


 Dieses Projekt war bis dato eines meiner spannendsten,
es hat riesig viel Spaß gemacht,
wir hatten eine tolle Stimmung an den drei Drehtagen
und ich bin dankbar, dass ich diese Erfahrung machen durfte.

Danke an Robert, Nico, Hartwig, die beiden Kameramänner 
und die Tontechniker sowie an die Praktikanten.

Ich hoffe, Euch hat der Einblick gefallen.
Von Herzen alles Liebe,
Eure Anja    





Bezugsquellen:
Schiebegardinen, Plastikboxen unter`m Bett: IKEA